HOMOSEXUALITÄT

Homosexualität und Kirche

KEINER HAT SICH SELBST GEMACHT


"Keiner hat sich selbst gemacht ..." So heißt es, wenn das Aussehen, die Eigenschaften oder die Verhaltensweisen eines Menschen aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Fragt man nach den Ursachen für Homosexualität, also danach, warum sich ein Mann in einen Mann und eine Frau in eine Frau verliebt, so gibt dieser Satz weitestgehend den humanwissenschaftlichen Forschungsstand wieder: "Keiner hat sich selbst gemacht..." Homosexuelle -  lesbische Frauen und schwule Männer - finden sich an irgendeinem Punkt ihrer psychosexuellen Entwicklung so vor.

Homosexualität

  • ist eine nicht frei gewählte, in der Tiefe der menschlichen Person angelegte Geschlechtsidentität
  • entwickelt sich -vermutlich- durch eine Vielzahl von  Faktoren wie z.B. Erbanlagen  und milieuabhängige, persönliche lebensgeschichtliche Einflüsse;
  • wird sehr früh in der Kindheit begründet (und nicht erst in der Pubertät);
  • ist therapeutisch (im Sinne einer Umpolung) nicht veränderbar;
  • ist keine Krankheit.

Der Katechismus der Katholischen Kirche von 1993 trägt in seinem Kapitel über Homosexualität (2358) diesen Erkenntnissen Rechnung:
"Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; ... Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen ..."

Homosexualität - Lesbisch- bzw. Schwulsein - gehört zutiefst zur persönlichen Identität eines Menschen. Und - wie viele Selbstzeugnisse belegen: Homosexuelle sind in gleicher Weise liebes- und bindungsfähig wie Heterosexuelle.

Wie allen Christen stellt sich auch Lesben und Schwulen die Aufgabe, sich selbst mit ihrer schwulen bzw. lesbischen Identität als von Gott so geschaffen und gewollt anzunehmen.

Damit tun sich die Kirchen, mehr als die evangelischen Kirchen die katholische und die orthodoxe Kirche, bis heute schwer. Zwischen dem Leben und der kirchlichen Lehre gibt es trotz vieler Annäherungen einen immer noch tiefgehenden Dissens: Die Selbstannahme als lesbische Frau und schwuler Mann und die Liebe zwischen Menschen des gleichen Geschlechts finden nach kirchlicher Lehre  ihre Grenze da, wo es um sexuelle Beziehungen geht.

Auf einer Tagung machte ein schwuler Teilnehmer den Dissens zwischen dem Leben und der kirchlichen Lehre deutlich:
"Sexualität ist für mich wie für jeden Menschen von großer Bedeutung für Selbstbestätigung, Identität, Integration der Persönlichkeit. Es gibt weder einen Grund zu glauben, daß Gott die Gabe der Enthaltsamkeit allen Homosexuellen gewährt, noch daß Sexualität ein Vorrecht Heterosexueller sei. Entschieden wehren möchte ich mich gegen eine Reduktion von Homosexualität auf (genitale) Sexualität, wie es in sämtlichen amtlichen Stellungnahmen zum Ausdruck kommt; genitale Sexualität ist weder das alles Definierende noch das Wichtigste, genau wie in einer heterosexuellen Beziehung." (in: Arntz/König, Kirche und die Frage der Homosexualität. Hildesheim 1995, S. 50)

Trotz allem: Wie in der Gesellschaft ist auch in den Kirchen und den Gemeinden die Akzeptanz für Schwule und Lesben gewachsen. Schwul / lesbisch und in der Kirche engagierter Christ bzw. Christin müssen (und dürfen!) kein  Widerspruch mehr sein.

Ein positives Zeichen setzte das Pastorale Forum der Erzdiözese München und Freising, eine Art Diözesansynode aus Bischof, Priestern und Laien, mit seiner Forderung:
"Homosexuelle dürfen in keiner Weise ausgegrenzt und zurückgesetzt werden. Verbände und Gemeinden sollten sich dafür einsetzen, daß ein differenziertes, positives Verständnis für homosexuell veranlagte Menschen zunehmend auch in der kirchlichen Öffentlichkeit Anerkennung findet. Die Bemühungen verschiedener Gruppen, diesen Menschen innerhalb der Kirche einen Lebensraum zu vermitteln, werden begrüßt."

Home